Manfred Steinig – Meine Geschichte

I’d like to submit a story for the June challenge about shoes.

So far all stories have been submitted in English, but we were encouraged to use other languages too. So this one is in German. Supposedly, the number of untold stories members who can read it is small. However, with a click on the Google translator (or any other)there will be an English version.

What will Ian do? Publish both versions?

I’m curious to find out how well the English text renders the original.

Maybe some proofreading will be necessary before publication of the translation.

Manfred and Minu

Meine Geschichte

Meine Geschichte

Ich komme aus gutem Hause. Mit meiner ‘besseren Hälfte’ stand ich im Schaufenster eines Schuhgeschäftes. Nein, ich will ehrlich sein.Wir fristeten unser Leben eng aneinander gepresst in einem Schuhkarton mit der Nr. 42. Darunter war die Nr. 41, darüber die 43.


Wir wurden oft anprobiert. Man schritt zwei, drei Runden im Laden, ging in die Knie, hüpfte herum. Wie sehr freuten wir uns, als wir endlich auf die Reise gehen durften.
Es ging bergauf, bergab, über Stock und Stein.


Nach 10 Kilometern merkte ich, wie die linke Ferse begann gegen mein Innenfutter zu scheuern. Nach 20 Kilometern humpelten wir mehr als das wir gingen.


Am nächsten Tag spürte ich eine neue feine Socke und atmete den angenehmen Geruch von Zinksalbe. Das Humpeln wurde aber nicht besser. An der Hacke bildete sich eine Blase. Als sie platzte, wurde ich nass.


Am Abend im Schuhbord schaute ich mich um.Da stand eine wahrlich bunte Mischung von Fußbekleidungen: Mokassins, Sandalen, Clogs und sogar eine Art Handschuh für Füße aus Gummi. Sie hatten alle viel zu erzählen. Ihren Besitzern taten nicht nur die Füße weh, sondern auch die Schultern, die Waden, der Rücken …

Am nächsten Tag befanden wir uns wieder in einem Schuhgeschäft ?! Was sollte das?
Dann wurden wir an den Händen herausgetragen und am Rande des Weges, neben einem Pfeiler mit einer Muschel abgestellt. ‘Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan.’
Es dauerte nicht lange, gemessen an der Zeit im Schuhkarton, bis wir hoch gehoben, gedreht und gewendet und offenbar für gut befunden wurden, denn plötzlich steckten wieder ein paar Füße in uns. Sollte einer glauben, Fuß sei Fuß, der hat keine Ahnung.. Gut, es sind immer fünf Zehen, eine Hacke, eine Sohle und ein Spann und doch war es ein ganz anderen Miteinander. Ich hatte sogleich den Eindruck, dass wir uns gefunden hatten, wie man sagt.

Trotzdem war es kein Zuckerschlecken. Wie oft stand uns das Wasser bis zum Hals, wie oft badeten wir im Schlamm wie die Nilpferde. Abends durften wir, nach einer kursorischen Reinigung, im Schuhbord ausruhen.

Am Abend eines schönen, sonnigen Tages ließ unser ‘Herrchen’ uns draußen stehen, zum Entlüften. Das tut ehrlich gesagt Not. Man soll nicht glauben, Wanderschuhe hätten kein Ethos. Wir schliefen fest und traumlos bis zum Morgengrauen. Als ich meinem Schicksalsgefährten ‘Guten Morgen’ wünschte – buenos dias , nach Landesart – erhielt ich keine Antwort, dabei begrüßten wir uns normalerweise immer. Es blieb still neben mir, und ich fing an, mir Sorgen zu machen. Wo war meine linke Hälfte?

Mehrere Wanderer liefen um das Haus, in den Garten, auf den Weg und sogar in Nachbargärten uns sprachen aufgeregt. Es war umsonst, ich blieb allein.
Mein ‘Herrchen’ stand in Socken herum und war verärgert und betrübt. Wir hatten ihm ja beide gute Dienste geleistet.


Plötzlich stand er in einem Paar blauer Laufschuhe neben mir. Die hatten schon etliche Kilometer auf dem Buckel. Er warf den Rucksack über die Schulter und verschwand schnellen Schritts nach Westen. Das war ein trauriger Abschied. Besser gesagt, gar kein Abschied. So wurde ich am Weg an einem Pfeiler, unter einer Muschel und einem Insektenhotel, aufgehängt…

Ich habe in den Jahren tausende von Pilgern vorüber ziehen sehen. Manche fast im Laufschritt, andere im Schleppgang, aber alle hatten den Blick wie gebannt nach Westen gerichtet. Was es da wohl zu finden gibt?

Einige Pilger nehmen mich wahr und lächeln. Vielleicht denken sie auf ihrem Weg über mich nach und erfinden die Geschichte meines Lebens.

Published by Ian

Music maker and story teller

5 thoughts on “Manfred Steinig – Meine Geschichte

  1. Diese Geschichte aus der Perspektive eines Paar Schuhe hat mir sehr gut gefallen. Und das erklärt dann wohl auch, warum ich hier in Schottland auf langen Wanderwegen schon häufiger einmal aufgehängte Wanderschuhe gesehen habe… Die sind dann wohl auch durch bequemere, blaue Laufschuhe ersetzt worden. Vielen Dank für das Teilen dieser schönen Geschichte. Es ist immer wieder ein Vergnügen, Texte in meiner alten Muttersprache zu lesen.

    Liked by 1 person

  2. Danke Britta für dein Feedback (Gibt es ein deutsches Wort?)
    Du musst die Geschichte bald noch einmal lesen, denn 20 Zeilen sind vergessen worden (?!) Dann macht es mehr Sinn.

    Like

  3. I loved that Manfred! So original.
    Told as a shoe talking. Very clever.
    Not a problem to read it. I do not speak ( or read) german but I highlighted your story, copied and pasted into translate. Easy!!

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: